Adobe CS Update Politik - Geschäftsmodelle in der Publishing Industrie

 

In der letzten Woche ist es über die Ticker gelaufen: Adobe zieht die Zügel in der Creative Suite Update Politik an. Auch dem priint Newsletter war dies eine Meldung wert:

„Adobe hat eine neue Upgrade Politik angekündigt: Bei künftigen Versionen von Creative Suite-Produkten gilt der kostengünstige Upgrade-Preis nur noch für Anwender der jeweils letzten Version. Wer zu lange wartet, verliert seine Upgrade-Berechtigung. Wir empfehlen daher ein Upgrade auf die aktuelle Version, um auch zukünftig Anspruch auf künftige kostengünstige Upgrades zu haben."

Diese Veränderungen in der Geschäftspolitik wird den Investitionsdruck in der Publishing Industrie natürlich erhöhen. Ich kenne viele kleinere Agenturen und Mediendienstleister, die immer noch sehr erfolgreich mit der Creative Suite 2 arbeiten. Für diese Unternehmen gibt es viele Gründe nicht jeden Update-Zyklus mitzumachen: Investitionskosten in die Updates, Einführungskosten und die Notwendigkeit auch noch die alten Versionen betreiben zu müssen. Die Installation eines neuen Updates führt nicht zwingend zu einer signifikanten Produktivitätserhöhung. Natürlich bietet jeder Creative Suite Update eine Fülle neuer sinnvoller Funktionen. Entweder eröffnen diese neuen Funktionen zusätzliche Anwendungsbereiche, wie zum Beispiel des digitalen Publizierens oder es sind Funktionen, die nicht einfach in den Produktionsalltag eingeführt werden können. Auch mangelt es oft in den Unternehmen an Zeit und professioneller Unterstützung, sich mit den neuen Funktionen auseinanderzusetzen. Häufig wird ein Creative Suite hauptsächlich aus Kompatibilitätsgründen eingespielt. Und das gilt nicht nur für „kleine" Unternehmen.

Die Veränderung in der Adobe Updatepolitik kann dazu führen, dass sich alte Installationsstände noch mehr „manifestieren", als dass die Creative Suite Installationen auf den neuesten Stand gebracht werden.

Diese Woche traf ich mich mit zwei Adobe Mitarbeiter. Auf die neue Update Politik angesprochen war die Aussage, dass sich Adobe jetzt an die üblichen Marktgepflogenheiten anderer Softwareanbieter orientiert. Klassischerweise lebt ein Softwarehaus vom Verkauf von Lizenzen und Updates. Mein Eindruck ist, dass eine Marktsättigung in Amerika und Europa an Creative Suite Lizenzen erreicht ist. Oder simpel formuliert: Jeder Kreative hat eine Creative Suite gekauft. Daher ist es nachvollziehbar, dass für Adobe das Potential eher im Verkauf von Updates als im Verkauf neuer Creative Suite Lizenzen liegt. Ein anderer Versuch Adobes das Creative Suite Geschäft auszuweiten ist die Etablierung von Software as a Service Konzepten rund um die Creative Suite. Diesen Versuchen stehe ich skeptisch gegenüber: als Kreativer ist die Creative Suite mein tägliches Handwerkszeug. Als Kreativer miete ich mir kein Photopshop oder InDesign für einen Monat. Das mag für den Amateurbereich und semiprofessionellen Bereich gelten. Aber ist das die Zielgruppe der Creative Suite?

Die Creative Suite hat als Bundle von ausgereiften Profiwerkzeugen, die miteinander interagieren, Ihren Zenit überschritten. Sicher kann man noch nicht davon sprechen, dass das Pferd tot ist, aber auf jeden Fall kann es nicht mehr so schnell laufen wie bisher. Da hilft auch kein Satz neuer Sporen.

Die Herausforderung der Medienindustrie ist heute nicht mehr „ein Bild effizient zu bearbeiten" oder „ein tolles Layout zu entwickeln und umzusetzen". Die Rolle der Kreativen und Medienindustrie ändert sich radikal in einer online dominierten cross-medialen Kommunikation.

Es ist keine Krise der Creative Suite sondern eine Krise der Branche. Es gibt in der Creative Suite viele cross mediale Ansätze, die sich auch über die Creative Suite hinaus entwickeln. Das prominenteste Beispiel ist die Digital Publishing Solution. Aber Stand heute ist die Creative Suite noch nicht die umfassende Standardlösung für ein durchgängiges cross mediales Produzieren und Publizieren. Sollte Adobe diesen Entwicklungsschritt schaffen, so wird die Creative Suite nicht mehr länger nur ein Softwarewerkzeug sein, sondern Bestandteil am Geschäftsmodell einer Branche werden.

Dies führt zwangsläufig auch zu einem anderen Verständnis von Updates auf der Creative Suite Kundenseite. Denn die beste Motivation einen Update zu kaufen, liegt immer noch darin, dass auf beiden Seiten Geld verdient wird.

(Horst Huber)

1 Blog-Kommentare
2011-12-07 10:41:09

Thorsten Kaltenborn

Zum Thema SaS:
In Hochphasen könnte man gut Hilfskräfte anheuern, wenn genug Lizenzen vorhanden wären. Wenn ich also für einen Monat 5 Lizenzen zusätzlich mieten kann, kann ich mit 5 Usern mehr an einem Projekt arbeiten und das entsprechend schneller durchpauken.
Das geht natürlich nur, wenn die benötigten PlugIns auch zu mieten sind *mit dem Zaunpfahl wink!*

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